Motivation

Die Natur hat ihre eigene Ordnung und Gesetzmäßigkeit. In der äußeren Form wirkt sie zunächst chaotisch. Hier beginnt für mich der künstlerische Prozess. Ich bringe die chaotischen Materialien in einen neuen Kontext.
So erhalten sie einen neuen Charakter, eine neue Bedeutung.
Die Erinnerung und Zuordnung der von uns als bekannt geglaubten Natur wird dadurch hinterfragt und mit aktuellen lebensnahen Impulsen und Impressionen in Verbindung gebracht.

Caroline Laengerer

 

Natur und Kunst

Die Auseinandersetzung mit dem Werk von Caroline Laengerer fordert die Besinnung auf das Wesen der Natur und auf das Wesen der Kunst. Kunst und Natur sind gewöhnlich getrennt. Frau Laengerer stellt jedoch ihre Kunst in die Natur und bringt in der Natur Gefundenes als Kunst in Museum und Galerie. Beides sind ungewöhnliche Verfahrensweisen, denn die Kunstwerke bestehen aus in ihrer Materialität belassenen Naturgegenständen.

Diese transzendieren nicht, wie von der Kunst erwartet, ihre Materialität, indem sie durch materialüberwindendes Formen und Bilden der Natur entrissen und zu Kunstwerken gemacht werden. Aus dem Stoff der Natur – Stein, Farbe, Holz– schafft der Künstler Kunst, indem er den Betrachter die natürliche Grundlage der Kunst vergessen läßt. Diese Illusionswirkung der Kunst findet sich bei Caroline Laengerer nicht. Sie läßt ihre aus der Natur genommenen Objekte– Schwemmholz, Sand – in ihrer Natürlichkeit bestehen und ordnet sie in einem der Natur entsprechenden Rythmus an. Wirbel, Spiralen, Wellen suggerieren natürliche Bewegung. Sie sind aber nie ein Abbild im Sinne der Naturnachahmung, die den Betrachter täuschen will. Der unwiederholbare Augenblick eines Wirbels ist in Festes, aber nicht Ewiges überführt.

Die Installationen von Caroline Laengerer sind eine konstruierte Welt, ohne Hintergrund, ohne Himmel, ohne Illusion. Sie haben nicht die Bildwirkung eines Gemäldes, das sinnliche Täuschung bewirken will; sie schaffen trotz der aus der Natur genommenen, naturbelassenen Materialien einen anti-realistischen, symbolischen Raum, der weder den Betrachter im Wiedererkennen von Natur bestätigt, noch ihn durch Reiz und Impression fraglos der Schönheit von Kunst und Natur anheim gibt. Im Werk von Caroline Laengerer wird die Natur nicht als Erlebnis im Sinne von „wie herrlich leuchtet mir die Natur“ des „Mailieds“ von Goethe, also als Gegenstand der Einfühlung gezeigt. Der Mensch ist auch nicht Beobachter der Natur im Sinne der realistischen Naturnachahmung von J.M.R. Lenz. Er definiert die Nachahmung der Natur als „das heißt aller der Dinge, die wir um uns sehen, hören et cetera.“. Diese werden dann mit „Genauigkeit und Wahrheit“ zurückgespiegelt und dargestellt.1 Dem realistischen „réproduire“ stellt Caroline Laengerer das „produire“ ihrer Installationen gegenüber.

Sie zeigt die Natur nicht mehr als Objekt des menschlichen Sehens. Sie stellt wenige Naturdinge in einen neuen, geistigen Zusammenhang, in eine Anordnung, die den Dingen eine besondere Anwesenheit verleiht. Die Naturobjekte, die schwarz, grau oder erdfarben für sich genommen kaum einen ästhetischen Reiz ausüben, werden durch ihre Anordnung zu Erscheinungen, die als solche erfahren und gedacht werden müssen. Sie stellen Fragen an den Betrachter, der das Ineinanderspielen der Objekte im Sinne von Heideggers Erfahrung der japanischen Kunst als „das reine Entzücken der rufenden Stille“2 wahrnimmt.

 

Prof.Dr. Hans-Günther Schwarz
1 J.M.R. Lenz. Anmerkungen übers Theater. Hrsg. V. Hans-Günther Schwarz. Stuttgart: Reclam 1976. S.9 u. 18
2 Martin Heidegger: „Aus einem Gespräch von der Sprache“ in: Unterwegs zur Sprache. Gesamtausgabe Bd. 12. Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 1976. S. 133

 

Ausstellung Walldorf 2009

Caroline Laengerers Auseinandersetzung mit Materialien und Strukturen der Natur hat letztlich nicht nur das autonome Werk als museales Kunstobjekt zum Ziel, sondern die bildnerischen Mittel der Objekte, der Malerei und der Installationen verweisen über sich hinaus auf Prozesshaftes, auf Ideen und Energien, die so verbildlicht werden können.


Die Ästhetik, die nach der künstlerischen Gestaltung neue Ordnungsprinzipien parallel zur Natur sichtbar macht, zeigt dem Betrachter Vergessenes oder bis dahin Unbekanntes und Verdrängtes, das er in unserem technisierten Alltag und unserer Entfremdung von Natur nicht mehr in der Lage oder bereit ist wahrzunehmen. Die in der Natur oft als chaotisch empfundenen Materialien und Strukturen offenbaren in dem neuen Kontext des Kunstwerks Zusammenhänge, die für den aufmerksamen Betrachter überraschend und im wünschenswerten besten Fall erhellend sind.

Hartmuth Schweizer
Kunstbeauftragter der Stadt Walldorf

 

Publikationen

Hirschberg
12.Hirschberger Kulturtage 2014
"Wagner im Spiegel der Zeit"
Von Wallhall bis Niebelheim
Architekturvisionen

Stadt Heidelberg
Verein für Kunst, Gesundheit und Bildung
Internationale Kunst und Designausstellung 2012
Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Unesco Kommision e.V.
„Arte Sustenibile - Kunst und Rio + 20

Stadt Wangen
Kunstverein Karsee
Kunst und Kultur rund um Karsee KUK
„Skulpturenweg Karsee“2012

Stadt Köln
Initiative Kultur Raum Rechtsrhein KRR
Schlosspark Stammheim
„BEST OF 10“

Kunstverein Leimen
„30Jahre Kunstverein Leimen“
1981-2011

Gedok Heidelberg
80 Jahre Gedok Heidelberg
Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer e.V.

Stadt Walldorf
Kunst im Rathaus
„Caroline Laengerer Bilder- Objekte -Installationen“

Stadt Heidelberg
Kurpfälzisches Museum
„Die Welle – Zauber der Bewegung“
Kunst aus fünf Jahrhunderten
Katalog zur Jubiläumsausstellung 2008/2009

Heidelberg/Rehovot
Dondikov house
Ausstellungsbegleiter
„Zusammen“
2007

Worms
Kunstforum Blickachse 2006
10 Jahre im Herrnsheimer Schlosspark
1996-2006

Neckargemünd
Kunstverein Neckargemünd
„Kunst trifft Nachhaltigkeit“
Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Unesco Kommision e.V.
2010
Umweltbundesamt Berlin
Für Mensch und Umwelt
„Arte Sustenibile Uno“
Offizielles Projekt der Weltdekade
der Vereinten Nationen 2005-2014

Rhein -Neckar- Kreis
17.Kreiskulturwoche 2006
Atelier und Künstler

Walldorf
Walldorfer Art
„Kunstpreis der Stadt Walldorf,
Skulpturen und Objekte im öffentlichen Raum“
2005

Nationalpark Harz und Nationalpark Eifel
11.Kunstausstellung
Natur – Mensch 2005

Köln Schlosspark Köln Stammheim
„Rheinblicke Einblicke“
Ausstellungsbegleiter
2005

Der Punker – Leben in Rohrbach
Thoraxklinik Heidelberg
Caroline Laengerer
Ausstellungsbegleiter 2004

Stadt Wangen
Kunsverein Karsee
Kunst um Karsee KuK
„Lebensart und Landschaft“
Ausstellungsbegleiter 2002

 

Caroline Laengerer (c) 2014